Bezahlbarkeit braucht einen festen Platz in der Mobilitätspolitik

Fast ein Viertel der niederländischen Autofahrer spürt aufgrund hoher Kraftstoffpreise finanziellen Druck. Bei Autofahrern mit einem Haushaltseinkommen unterhalb des niederländischen Referenzeinkommens sind es sogar 39 %. Von dieser Gruppe geben 28 % an, durch die Kraftstoffkosten in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten. Das geht aus einer Untersuchung hervor, die der ANWB diese Woche veröffentlicht hat.
Die Ergebnisse betreffen ein Thema, das in der Mobilitätspolitik mehr Aufmerksamkeit verdient: Mobilitätsarmut. Dabei geht es nicht nur um Menschen ohne Verkehrsmittel, sondern auch um Menschen, bei denen notwendige Wege einen immer größeren Teil des verfügbaren Einkommens beanspruchen.
Abhängigkeit
Das Kennisinstituut voor Mobiliteitsbeleid unterscheidet dabei wichtige Gruppen. Menschen können sich bewusst für ein Leben ohne eigenes Auto entscheiden und damit „autofrei“ sein. Andere sind „autolos“: Sie hätten gerne ein Auto, werden daran aber etwa durch ihre finanzielle Situation, ihre Gesundheit oder einen fehlenden Führerschein gehindert. Daneben unterscheidet das KiM Haushalte mit „erzwungenem Autobesitz“. Sie können das Auto finanziell kaum tragen, sehen aufgrund ihres Wohnorts, ihrer Arbeit oder ihrer persönlichen Umstände jedoch zu wenige Alternativen.
Gerade diese letzte Gruppe begegnet uns in der ANWB-Untersuchung. Für sie ist das Auto keineswegs selbstverständlich ein Luxusgut, sondern häufig Voraussetzung, um Arbeit, Bildung, medizinische Versorgung oder Familie erreichen zu können. Das gilt beispielsweise für Menschen, die außerhalb regulärer Arbeitszeiten unterwegs sind, in einem Gewerbegebiet arbeiten oder in einer Gegend mit eingeschränktem ÖPNV-Angebot wohnen. Wer früh beginnt, nachts arbeitet oder wechselnde Schichten hat, kann nicht automatisch auf Bus oder Bahn zurückgreifen. Bei der Autonutzung zu sparen, ist dann weniger einfach, als manchmal angenommen wird.
Alternativen
Auch der öffentliche Verkehr selbst ist nicht immer bezahlbar. Besonders wenn mehrere Familienmitglieder gemeinsam über eine längere Strecke reisen, können erhebliche Kosten entstehen. Das KiM stellte bereits fest, dass 10 % der erwachsenen Niederländer Schwierigkeiten haben, ihre Mobilität zu bezahlen. Beim öffentlichen Verkehr finden 7 % die Nutzung von Bus, Bahn, Straßenbahn oder Metro aufgrund der Kosten schwierig und verfügen zugleich über eine begrenzte finanzielle Sicherheit. Für einen Teil der Bevölkerung ist also nicht nur das Auto teuer; auch die verfügbaren Alternativen sind schwer zu finanzieren.
Mobilitätsarmut betrifft damit nicht ausschließlich das Vorhandensein von Verkehrsangeboten. Eine Bushaltestelle in der Nähe oder ein Bahnhof in Fahrradentfernung bietet noch keine vollwertige Alternative, wenn die Fahrt zu teuer ist, die Verbindung zur benötigten Zeit nicht verkehrt oder die gesamte Reisezeit nicht zum Alltag passt. Gleiches gilt für geteilte Mobilität: Sie kann eine wertvolle Ergänzung sein, aber nur, wenn das Angebot verfügbar, verständlich und bezahlbar ist.
Individuelle Lösungen
Eine allgemeingültige Lösung gibt es deshalb nicht. Dafür unterscheiden sich die Bedingungen je nach Gebiet und Zielgruppe zu stark. Bezahlbarkeit kann jedoch in Mobilitätsuntersuchungen und der Politik stärker berücksichtigt werden. Relevant sind nicht nur Reisezeit und theoretische Erreichbarkeit, sondern auch Kosten, Verfügbarkeit zu unterschiedlichen Zeiten und die praktische Nutzbarkeit der Alternativen.
Auch die möglichen Maßnahmen sind vielfältig. In manchen Gebieten können ein besserer öffentlicher Verkehr oder flexible Verkehrsangebote helfen. Andernorts wirken gezielte Ermäßigungen, sicherere Radverbindungen oder Vereinbarungen mit Arbeitgebern zum Pendelverkehr besser. Langfristig spielen auch räumliche Entscheidungen eine wichtige Rolle, etwa indem Wohnungen, Arbeitsplätze und Versorgungseinrichtungen näher beieinander entwickelt werden.
Geteilte Mobilität kann ebenfalls Teil dieses Ansatzes sein. Beim Peer-to-Peer-Carsharing wird ein Privatfahrzeug anderen zur Verfügung gestellt. So wird der bestehende Fahrzeugbestand besser genutzt, der Eigentümer kann einen Teil der Kosten zurückverdienen, und Menschen ohne eigenes Auto erhalten gelegentlich Zugang zur Automobilität. Auch Nachbarschaftsautos und kleine lokale Fahrdienste können vor Ort bedeutsam sein.
Die Möglichkeiten unterscheiden sich jedoch stark nach Standort. Eine Alternative, die in einem innerstädtischen Umfeld gut funktioniert, muss in einem Dorf, einem Außenbezirk oder einem Gewerbegebiet noch keine realistische Option sein. Gerade deshalb darf sich Mobilitätspolitik nicht ausschließlich mit der Förderung oder Begrenzung einzelner Verkehrsmittel befassen.
Letztlich geht es bei Erreichbarkeit darum, ob Menschen tatsächlich am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Solange das Auto für einen Teil der Bevölkerung notwendig, aber finanziell schwer zu tragen ist und zugleich auch die Alternativen nicht immer bezahlbar oder nutzbar sind, gehört Bezahlbarkeit fest in Mobilitätsuntersuchungen und Mobilitätspolitik.
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