Bezahlbare Mobilität unter Druck: Erkenntnisse aus Untersuchungen von KiM und Nibud

Die Bezahlbarkeit von Mobilität wird in den Niederlanden zunehmend zum Problem. In den vergangenen Monaten sind zwei wichtige Berichte erschienen, die dieses Thema beleuchten. Das Kennisinstituut voor Mobiliteitsbeleid (KiM) veröffentlichte am 27. August 2024 einen Bericht, der ein breites Spektrum von Mobilitätsausgaben sowie Unterschiede bei der Bezahlbarkeit je nach Zielgruppe untersucht. Ein neuerer Bericht der Mobiliteitsalliantie, gemeinsam mit dem Nibud erstellt und am 1. Oktober 2024 veröffentlicht, konzentriert sich auf die Bezahlbarkeit für Haushalte mit einem Einkommen auf Höhe des niederländischen Referenzeinkommens. Obwohl die Untersuchungen unterschiedliche Ansätze verfolgen, zeigen beide den zunehmenden Druck auf die Bezahlbarkeit von Mobilität.
Dieser Artikel erläutert die wichtigsten Ergebnisse jedes Berichts, bespricht anschließend Gemeinsamkeiten und Unterschiede und fasst die Schlussfolgerungen und Empfehlungen zusammen.
Ergebnisse des KiM-Berichts
Der KiM-Bericht untersucht die Bezahlbarkeit von Mobilität für verschiedene Bevölkerungsgruppen in den Niederlanden. Die Untersuchung zeigt, dass die Verkehrskosten zwischen 2015 und 2023 um fast 30 % gestiegen sind. Dies liegt knapp über der Inflation, die im selben Zeitraum ungefähr 26 % betrug.
Etwa jeder zehnte Niederländer hat Schwierigkeiten, die Mobilitätskosten zu bezahlen. Betroffen sind vor allem Menschen mit geringem Einkommen, Alleinerziehende, Arbeitslose und Haushalte in weniger städtisch geprägten Gebieten.
Niederländische Haushalte geben durchschnittlich 14 % ihres Einkommens für Mobilität aus, wobei private Fahrzeuge einen großen Kostenblock bilden. Diese Finanzierungsprobleme beeinflussen die Entscheidungen im Mobilitätsverhalten und können dazu führen, dass Menschen auf soziale Aktivitäten verzichten oder andere Einschränkungen im Alltag hinnehmen.
Der Bericht nennt mehrere Lösungsansätze, darunter:
- Allgemeine Einkommenspolitik:
- Stärkung der Kaufkraft niedriger Einkommen, um Probleme bei der Bezahlbarkeit zu verringern.
- Gezielte Einkommensunterstützung für Gruppen, die durch Mobilitätskosten besonders belastet werden.
- Gezielte Ermäßigungen und Zuschüsse:
- Finanzielle Maßnahmen für bestimmte Zielgruppen, die zusätzliche Unterstützung benötigen.
- Ermäßigungen bei Verkehrskosten für Gruppen wie Menschen mit geringem Einkommen und Menschen mit Mobilitätseinschränkungen.
- Bezahlbare Verkehrsangebote fördern:
- Förderung bezahlbarer und zugänglicher Verkehrsformen wie öffentlicher Verkehr, geteilte Mobilität und Radverkehr.
- Ausbau der räumlichen Abdeckung und Qualität des ÖPNV, insbesondere in weniger städtisch geprägten Gebieten.
- Vorausschauende Raumplanung und Nähe:
- Wohnen, Arbeiten und Versorgungseinrichtungen näher zusammenbringen, um Reiseentfernungen und Fahrtkosten zu verringern.
- Wohn- und Arbeitsgebiete so planen, dass Mobilitätsbedürfnisse bestmöglich berücksichtigt werden.
- ÖPNV-Angebot und Zugänglichkeit verbessern:
- Erreichbarkeit, Taktfrequenz und Bezahlbarkeit des öffentlichen Verkehrs verbessern.
- Besserer Zugang zum ÖPNV für ältere Menschen, Menschen mit Behinderung und Bewohner ländlicher Gebiete.
- Aktive Mobilität fördern:
- Investitionen in Rad- und Fußverkehrsinfrastruktur zur Förderung nachhaltiger und bezahlbarer Mobilität.
- Einbindung von Fahrrad- und Motorroller-Sharing-Systemen für kurze Strecken.
- Innovative Mobilitätslösungen:
- Unterstützung neuer Mobilitätsdienste wie Carsharing, Mobility-as-a-Service (MaaS) und Elektrofahrzeuge, die zu kosteneffizienter und nachhaltiger Mobilität beitragen.
- Einfachere Umstiege zwischen Verkehrsmitteln für angenehmere Reisen.
- Bessere Information und Bewusstseinsbildung:
- Klare Kommunikation über Verkehrskosten und Alternativen, um bewusste Mobilitätsentscheidungen zu fördern.
- Information über Mobilitätsangebote und Unterstützung verschiedener Zielgruppen bei der Suche nach bezahlbaren Verkehrsmöglichkeiten.
Ergebnisse des Nibud-Berichts
Der Bericht der Mobiliteitsalliantie und des Nibud konzentriert sich auf die Bezahlbarkeit von Mobilität für Haushalte mit einem Einkommen auf Höhe des niederländischen Referenzeinkommens (44.000 € brutto im Jahr). Die wichtigste Erkenntnis: Diesen Haushalten fehlen monatlich zwischen 200 € und 900 €, um ihre Verkehrskosten vollständig decken zu können. Seit 2015 sind die Mobilitätskosten stark gestiegen, insbesondere durch höhere Kraftstoffpreise und andere laufende Verkehrsausgaben. Haushalte müssen deshalb bei ihren Ausgaben abwägen, was häufig ihre Reisefreiheit und die Teilnahme an sozialen Aktivitäten einschränkt. Dies beeinflusst unmittelbar ihr Wohlbefinden und ihre Gesundheit.
Die Mobiliteitsalliantie und das Nibud empfehlen zur Bewältigung dieses Problems:
- Steuerliche Möglichkeiten und Fahrtkostenerstattung:
- Arbeitgeber können bestehende steuerliche Möglichkeiten besser nutzen, um die Fahrtkostenerstattung für alle Verkehrsmittel wie Auto, Fahrrad, Motorroller und öffentlichen Verkehr attraktiver zu gestalten.
- Besondere Aufmerksamkeit für niedrige Einkommen, bei denen eine Erstattung der Kosten des Arbeitswegs häufig nicht selbstverständlich ist.
- Raumplanung verbessern:
- Wohnen, Arbeiten und Versorgungseinrichtungen näher zusammenbringen, um Reiseentfernungen zu verkürzen und damit Fahrtkosten zu senken.
- Öffentliche Stellen spielen eine wichtige Rolle bei der durchdachten Anordnung von Arbeitsplätzen, Wohnungen und Freizeiteinrichtungen, um das Mobilitätsverhalten positiv zu beeinflussen.
- Bewusstsein für Mobilitätskosten:
- Haushalte benötigen einen Überblick über ihre Verkehrsausgaben, um bewusstere Entscheidungen zu ihrer Mobilität treffen zu können.
- Es gibt viele Informationen zu Mobilitätskosten, sie müssen jedoch leichter zugänglich und übersichtlicher aufbereitet werden.
- Nachhaltige und bezahlbare Mobilität fördern:
- Das Angebot nachhaltiger Verkehrsmittel wie E-Bikes und geteilter Mobilität ausbauen, um bezahlbare Alternativen zu langen Autofahrten zu schaffen.
- Auf nachhaltige Verkehrslösungen setzen und dabei niedrige Kosten und Umweltfreundlichkeit berücksichtigen.
- Bezahlbaren öffentlichen Verkehr stärken:
- Den öffentlichen Verkehr für alle Einkommensgruppen bezahlbarer und zugänglicher machen.
- Erreichbarkeit und Zuverlässigkeit des ÖPNV verbessern, damit er eine attraktive Alternative zum Individualverkehr wird.
Unterschiede und Gemeinsamkeiten
Beide Berichte behandeln die Bezahlbarkeit von Mobilität, verfolgen jedoch einen eigenen Ansatz und sprechen unterschiedliche Zielgruppen an. Der KiM-Bericht ist breit angelegt und analysiert, wie verschiedene Bevölkerungsgruppen in den Niederlanden Verkehrskosten erleben. Die vorgeschlagenen Lösungen zielen sowohl auf höhere Kaufkraft als auch auf eine bessere Bezahlbarkeit von Mobilität im weiteren Sinne, einschließlich ÖPNV, Bikesharing und Raumplanung.
Die Untersuchung der Mobiliteitsalliantie und des Nibud konzentriert sich hingegen auf Haushalte mit einem Einkommen auf Höhe des niederländischen Referenzeinkommens und deren finanzielle Belastung durch Mobilitätskosten. Ihre Lösungen richten sich vor allem auf eine bessere Fahrtkostenerstattung, mehr Transparenz über die tatsächlichen Verkehrskosten und eine vorausschauende Raumplanung zur Verkürzung von Reiseentfernungen.
Trotz unterschiedlicher Ansätze bestehen klare Gemeinsamkeiten. Beide Berichte verweisen auf den starken Anstieg der Mobilitätskosten seit 2015, insbesondere für niedrigere Einkommensgruppen, und betonen die erheblichen Auswirkungen auf die Reisefreiheit. Dies führt zu Entscheidungen, die gesellschaftliche Teilhabe, Zugang zu Arbeit und allgemeines Wohlbefinden beeinflussen. Beide Berichte erkennen zudem an, dass ein stärker integrierter Ansatz nötig ist, um Mobilität bezahlbar zu halten.
Schlussfolgerungen und Empfehlungen
Beide Berichte betonen die Notwendigkeit eines integrierten Ansatzes, um die Bezahlbarkeit von Mobilität zu verbessern. Dabei geht es nicht nur um direkte finanzielle Hilfen und Einkommensunterstützung, sondern vor allem um strukturelle Maßnahmen, die langfristig wirksam sind.
Die Lösungsansätze richten sich auf:
- Bessere Nutzung steuerlicher Regelungen: Durch die optimale Ausschöpfung bestehender Möglichkeiten zur Fahrtkostenerstattung können die Kosten des Arbeitswegs insbesondere für niedrigere Einkommensgruppen gesenkt werden.
- Investitionen in bezahlbare Mobilitätsangebote: Ein entscheidender Schritt ist die Förderung zugänglicher und bezahlbarer Verkehrsmittel wie ÖPNV, Bikesharing und anderer nachhaltiger Mobilitätsformen. So erhalten besonders belastete Gruppen bezahlbare Alternativen zum Auto.
- Vorausschauende Raumplanung: Werden Wohnen, Arbeiten und Versorgungseinrichtungen näher zusammengebracht, verkürzen sich Reiseentfernungen und sinken Fahrtkosten. Gute Raumplanung trägt unmittelbar zur Bezahlbarkeit von Mobilität bei.
- Bewusstsein und Transparenz bei Mobilitätsausgaben: Ein besserer Überblick über Verkehrskosten ist unerlässlich. Haushalte müssen bewusstere Entscheidungen über ihre Verkehrsmittel treffen können und besser darüber informiert sein, wie sich Mobilitätsausgaben auf ihr Budget auswirken.
Entscheidend ist, dass all diese Aspekte in einer umfassenden, abgestimmten Politik zusammengeführt werden. Kurzfristig brauchen Haushalte mit hohen Mobilitätskosten Entlastung; langfristig muss ein nachhaltiges, bezahlbares und für alle zugängliches Mobilitätssystem entstehen. Ein abgestimmter Ansatz hält Mobilität nicht nur bezahlbar, sondern macht sie auch nachhaltig und passend zu den Bedürfnissen unterschiedlicher Zielgruppen in den Niederlanden.
📄 Lesen Sie hier den vollständigen KiM-Bericht KiM-Broschüre Bezahlbare Mobilität
📄 Lesen Sie hier den vollständigen Nibud-Bericht Nibud-Mobilitätsuntersuchung
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