Motorroller-Sharing und Umweltauswirkungen

Am 29. April 2025 veröffentlichte das Kennisinstituut voor Mobiliteitsbeleid (KiM) den Bericht Geteilte Motorroller: Auswirkungen auf die Umwelt. Darin analysiert das KiM die Umweltauswirkungen elektrischer Sharing-Motorroller über ihren gesamten Lebenszyklus, von Herstellung und Nutzung bis zur Entsorgung. Die Studie liefert politisch relevante Erkenntnisse zu Treibhausgasemissionen, Feinstaub, Toxizität und zur Rolle geteilter Motorroller im übergeordneten Mobilitätssystem.
Klimawirkung über den gesamten Lebenszyklus
Elektrische Sharing-Motorroller verursachen durchschnittlich 29 Gramm CO₂-Äquivalente je Personenkilometer, wenn sie mit erneuerbarem Strom betrieben werden. Beim niederländischen Strommix liegt der Wert bei 36 Gramm CO₂-Äquivalenten je Personenkilometer. Damit schneiden sie besser ab als benzinbetriebene Kleinkrafträder mit etwa 63 Gramm und Autos sowohl mit Verbrennungs- als auch mit Elektromotor.
Die wichtigsten Emissionsquellen liegen in der Herstellung der Roller und Akkus, beim Laden der Batterien sowie bei betrieblichen Leistungen wie Akkuwechsel und Wartung. Die direkten Emissionen in der Stadt sind minimal, was zu saubererer Luft in dicht besiedelten Gebieten führt.
Lebensdauer, Besetzungsgrad und Fahrleistung bestimmen die Gesamtwirkung je Kilometer. Sharing-Motorroller haben in der Regel größere Akkus und eine kürzere Lebensdauer als privat genutzte elektrische Motorroller. Dadurch fallen ihre Emissionen je Kilometer etwas höher aus.
Feinstaub und Schadstoffe
Geteilte Motorroller beeinflussen die Umwelt auch durch Feinstaubbildung und die Freisetzung giftiger Stoffe. Diese Emissionen entstehen vor allem bei der Herstellung von Akkus und Komponenten, häufig außerhalb der Niederlande. Anders als bei benzinbetriebenen Kleinkrafträdern, die vor allem vor Ort die Luft verschmutzen, verlagert sich die Umweltbelastung elektrischer Roller in die vorgelagerten Produktionsketten.
Lebenszyklusanalysen zeigen eine geringere Feinstaubbildung als bei benzinbetriebenen Kleinkrafträdern. Bei der Humantoxizität unterscheiden sich die Ergebnisse je nach Methoden und Annahmen. Der Beitrag zur Versauerung und zu anderen Umwelteffekten ist relativ begrenzt.
Vergleich mit anderen Verkehrsmitteln
Geteilte Motorroller verursachen je Personenkilometer weniger Treibhausgasemissionen als Autos, Dieselbusse und benzinbetriebene Kleinkrafträder. Im Vergleich zu Fahrrädern, E-Bikes, Metros sowie elektrischen Sharing- oder OV-fiets-Leihfahrrädern liegen die Emissionen höher. Diese Verkehrsmittel sind je Kilometer deutlich effizienter und benötigen weniger betriebliche Unterstützung.
Auch bei anderen Umweltindikatoren wie Toxizität und Feinstaubbildung liegen Sharing-Motorroller zwischen motorisiertem Verkehr und aktiver Mobilität. Metro und Fahrrad bleiben die Verkehrsmittel mit der geringsten Umweltwirkung.
Die Bedeutung des ersetzten Verkehrsmittels
Eine wichtige Schlussfolgerung des Berichts lautet: Der Umweltvorteil geteilter Motorroller hängt stark davon ab, welches Verkehrsmittel sie ersetzen. Wird der Roller anstelle eines Autos mit Verbrennungsmotor oder eines Kleinkraftrads genutzt, entstehen erhebliche Umweltvorteile: bis zu 80 % weniger Treibhausgasemissionen gegenüber einem Auto mit Verbrennungsmotor.
Ersetzt die Fahrt hingegen einen Fußweg, eine Fahrrad- oder E-Bike-Fahrt, steigt die gesamte Umweltbelastung. Nutzerbefragungen zeigen, dass die Alternative zu einer Sharing-Motorroller-Fahrt je nach Stadt stark variiert. In Rotterdam wären Schätzungen zufolge 23 % dieser Fahrten sonst mit dem Auto erfolgt.
Rolle in der Reisekette
Geteilte Motorroller können als Teil einer Reisekette wertvoll sein, etwa in Kombination mit Bahnfahrten. Durch ihre Flexibilität eignen sie sich als Zu- oder Abbringer bei längeren Wegen. In diesem Zusammenhang können sie kurze Autofahrten oder Fahrten mit Taxis mit Verbrennungsmotor ersetzen.
Gleichzeitig beschränkt sich ihre Verfügbarkeit auf städtische Gebiete, und die Nutzung ist an Geschäftsgebiete gebunden. Der Einsatz als Ergänzung zum öffentlichen Verkehr ist damit vielversprechend, aber nicht überall möglich. Es besteht weiterhin das Risiko, dass geteilte Motorroller auf Strecken genutzt werden, auf denen das Fahrrad oder OV-fiets umweltfreundlicher wäre.
Politische Handlungsmöglichkeiten und Grenzen
Laut KiM können öffentliche Stellen, Anbieter und Nutzer durch einen gezielten Einsatz geteilter Motorroller zu geringeren Umweltauswirkungen beitragen. Behörden können beispielsweise Maßnahmen ergreifen, die die Nutzung dort fördern, wo Autofahrten ersetzt werden. Zugleich kann eine Begrenzung in Gebieten sinnvoll sein, in denen aktive Mobilität naheliegender ist.
Anbieter können die Umweltbelastung begrenzen, indem sie Roller länger im Einsatz halten, das Geschäftsgebiet erweitern und die durchschnittliche Nutzungsstrecke erhöhen. Nutzer tragen dazu bei, indem sie Sharing-Motorroller vor allem anstelle des Autos wählen.
Die Herstellung von Rollern und Akkus erfolgt überwiegend außerhalb der Niederlande. Ein Teil der Umweltbelastung lässt sich deshalb durch die niederländische Politik nur schwer beeinflussen. Europäische Vorschriften können langfristig jedoch steuernd wirken, etwa bei Akkuherstellung und Recycling.
Bedeutung für Gebietsentwicklung und Mobilitätspläne
Geteilte Motorroller können zu saubererer Mobilität beitragen, sofern ihre Nutzung tatsächlich die mit dem Auto gefahrenen Kilometer verringert. Wo sie das Fahrrad oder das Gehen verdrängen, steigt die Umweltbelastung hingegen.
Die Botschaft des KiM ist klar: Geteilte Motorroller können das Mobilitätssystem ergänzen, erfordern aber klare Entscheidungen zu Einsatz, Standort und Politik.
Die Ergebnisse der KiM-Untersuchung verdeutlichen, dass geteilte Mobilität individuelle Lösungen erfordert. Sharing-Motorroller bringen nur dann Umweltvorteile, wenn sie die Autonutzung verringern und sinnvoll in Reiseketten eingebunden sind. Für Gebietsentwicklungen und Mobilitätspläne bedeutet dies, dass die Nutzung am jeweiligen Standort maßgeblich sein muss.
Das Beobachten der ersetzten Verkehrsmittel, eine schlüssige Verknüpfung mit ÖPNV-Knotenpunkten und der Schutz aktiver Mobilität sind für nachhaltige Wirkungen unerlässlich.
📄 Lesen Sie hier den vollständigen KiM-Bericht: Geteilte Motorroller: Auswirkungen auf die Umwelt
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