Niederländer bewerten ihre Mobilität mit 8,1

Das Kennisinstituut voor Mobiliteitsbeleid (KiM) veröffentlichte im Oktober 2025 die Handreichung Wie beurteilen die Einwohner der Niederlande Mobilität und Erreichbarkeit?

Auf Grundlage des Mobiliteitspanel Nederland (MPN) untersuchte das KiM, wie Niederländer ihre Mobilität und Erreichbarkeit erleben. Die Ergebnisse zeigen im Durchschnitt ein positives Bild: Sie bewerten ihre Mobilität mit 8,1. Allerdings gilt diese Zufriedenheit nicht für alle. Insbesondere Bezahlbarkeit, Verfügbarkeit und das persönliche Sicherheitsgefühl bleiben wichtige Handlungsfelder.

Anlass und Kontext

Die Niederlande stehen vor großen Mobilitätsaufgaben. Bevölkerungswachstum, Wohnungsbau sowie Klima- und Energiewende beeinflussen, wie Menschen sich fortbewegen. Gleichzeitig wächst der Bedarf an einem gut funktionierenden, bezahlbaren Mobilitätssystem, besonders in Regionen mit Schwierigkeiten bei der Erreichbarkeit von Arbeit, Versorgung und Bildung.

Ziel der Erhebung war es zu verstehen, wie Einwohner ihre eigene Erreichbarkeit erleben und welche Themen sie als wichtig oder problematisch ansehen. Betrachtet wurde dabei nicht allein die Infrastruktur, sondern das Erleben der Reisenden selbst.

Untersuchungsmethode

Die Untersuchung wurde mit dem Mobiliteitspanel Nederland (MPN) durchgeführt. Zwischen dem 8. und 18. August 2025 nahmen 2.189 Befragte teil. Die Stichprobe ist nach Geschlecht, Alter, Bildung, Haushaltszusammensetzung und Urbanisierungsgrad repräsentativ. Zusätzlich wurden Daten aus ODiN 2024 genutzt, um die erlebte Erreichbarkeit bestimmter Ziele zu erfassen.

Überwiegend positives Bild

Niederländer sind im Allgemeinen mit ihren Reisemöglichkeiten und ihrer Erreichbarkeit zufrieden:

  • Durchschnittliche Bewertung: 8,1.
  • 89 % finden die Erreichbarkeit gewünschter Aktivitäten gut.
  • 85 % können alle gewünschten Aktivitäten wahrnehmen.
  • Nur 4,5 % bewerten ihre eigene Mobilität mit 5 oder schlechter.


Laut KiM entspricht dies einem Trend, nach dem die meisten Menschen ihre tägliche Mobilität als gut passend zu ihrem Lebensstil erleben. Eine Minderheit stößt jedoch dauerhaft auf Hindernisse.

Jeder neunte Niederländer erreicht wichtige Ziele manchmal nur schwer

Die Analyse zeigt, dass 11,5 % der Niederländer ein wichtiges Ziel wie Arbeit, Schule, Krankenhaus, Hausarzt oder Supermarkt manchmal nur schwer erreichen können. Werden soziale und Freizeitaktivitäten wie Familienbesuche oder Sport einbezogen, steigt der Anteil auf 18,5 % der Bevölkerung.

Die wichtigsten Ursachen sind:

  • Der öffentliche Verkehr ist unpraktisch oder schwierig zu nutzen (genannt von 34 % der Gruppe mit Problemen).
  • Kein eigenes Verkehrsmittel (31 %).
  • Zu lange Reisezeit (16 %).
  • Gesundheitliche Probleme (11 %).

Probleme treten relativ häufiger bei niedrigen Einkommen, geringerem Bildungsniveau, Menschen nicht niederländischer Herkunft und Personen mit mittelmäßiger oder schlechter Gesundheit auf.

Regionale Unterschiede

Bewohner stark städtisch geprägter Gebiete berichten häufiger als Bewohner weniger städtischer Gebiete, manche Ziele nur schwer erreichen zu können. Krankenhäuser bilden eine Ausnahme.

Laut KiM hängt dies mit Unterschieden zwischen erlebter und tatsächlicher Erreichbarkeit, sozialen Faktoren wie Einkommen und der bewussten Wohnortwahl zusammen. Menschen mit eingeschränkter Mobilität wählen mitunter gerade städtische Wohnorte.

Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen

Die allgemeine Zufriedenheit verdeckt deutliche Unterschiede:

  • Frauen bewerten ihre Mobilität etwas schlechter als Männer.
  • Menschen ab 65 Jahren vergeben häufiger niedrigere Bewertungen für die Erreichbarkeit.
  • Haushalte mit niedrigem Einkommen, Menschen ohne Arbeit oder im Sozialhilfebezug sowie Personen mit gesundheitlichen Problemen erleben deutlich häufiger Einschränkungen.

Das KiM kommt zu dem Schluss, dass persönliche Umstände wie finanzielle Lage, Gesundheit und digitale Fähigkeiten stark prägen, wie Menschen Mobilität erleben.

Persönliche und gesellschaftliche Probleme

Was Menschen persönlich als Problem erleben, unterscheidet sich von dem, was sie gesellschaftlich für wichtig halten.

Persönlich:

  • Aggression im Straßenverkehr (31 %)
  • Kosten des öffentlichen Verkehrs (25 %)
  • Autokosten (24 %)
  • Parkkosten (20 %)
  • Staus (19 %)

Gesellschaftlich:

  • Kosten des öffentlichen Verkehrs (61 %)
  • Aggression im öffentlichen Verkehr (58 %)
  • Aggression im Straßenverkehr (49–50 %)
  • Staus (43 %)
  • Autokosten (41 %)

Niederländer betrachten Probleme rund ums Auto somit vor allem als persönliche Belastung, während Probleme des öffentlichen Verkehrs häufiger als gesellschaftlich relevant gelten. Dies hängt damit zusammen, dass fast 70 % der in den Niederlanden zurückgelegten Entfernung mit dem Auto gefahren werden.

Bezahlbarkeit

Die Untersuchung zeigt, dass Kosten sowohl persönlich als auch gesellschaftlich ein wichtiges Thema sind.

Konkret zeigt sich:

  • Jeder elfte Niederländer gibt mehr für Verkehr aus, als er sich leisten kann.
  • 10 % sparen an anderen Ausgaben, um reisen zu können.
  • 16–20 % finden Fahrten mit Bus, Straßenbahn, Metro oder Bahn aufgrund der Kosten schwierig.
  • 61 % betrachten die Kosten des öffentlichen Verkehrs als großes oder sehr großes gesellschaftliches Problem.

Außerdem zeigt sich:

  • 8 % der Autobesitzer können ihre Autokosten kaum bezahlen.
  • 11 % müssen an anderen Ausgaben sparen, um das Auto weiter nutzen zu können.
  • 31 % halten Elektromobilität für finanziell nicht machbar.
  • Von den Erwachsenen ohne Auto nennen 40 % die Kosten als wichtigsten Grund.

Zu diesem Thema schrieben wir bereits:
Bezahlbare Mobilität unter Druck – Erkenntnisse aus Untersuchungen von KiM und Nibud

Persönliches Sicherheitsgefühl

Etwa vier von zehn Niederländern fühlen sich beim Reisen gelegentlich persönlich unsicher. Dieses Gefühl tritt bei allen Verkehrsmitteln auf, am stärksten jedoch bei regelmäßigen Nutzern des öffentlichen Verkehrs:

  • 60 % von ihnen fühlen sich manchmal oder häufiger unsicher.
  • In absoluten Zahlen erleben Autofahrer (37 %), Radfahrer (35 %) und Fußgänger (34 %) dieses Gefühl am häufigsten, weil diese Gruppen größer sind.

Das KiM betont, dass dies nicht immer mit tatsächlichen Vorfällen zusammenhängt, sondern häufig mit einem Gefühl der Verletzlichkeit oder unsicherem Verhalten anderer.

Einstellungen zu Verkehrsmitteln

Die meisten Niederländer stehen ihren Verkehrsmitteln positiv gegenüber:

  • Auto, Fahrrad und Gehen: mehr als 80 % (sehr) positiv.
  • Bahn: 41 % (sehr) positiv.
  • Bus, Straßenbahn oder Metro: 36 % (sehr) positiv.

Bemerkenswert ist, dass fast jeder fünfte Niederländer den öffentlichen Verkehr negativ beurteilt. Auto und Fahrrad werden dagegen nahezu einhellig positiv bewertet.

Internationale Reisen

Bei internationalen Reisen werden vor allem die Kosten als Problem genannt.

Laut KiM nennen:

  • 28 % die Kosten von Flugtickets als persönliches Problem,
  • 25 % die Kosten internationaler Bahntickets,
  • 22 % die Emissionen des Flugverkehrs,
  • 19 % die Verfügbarkeit internationaler Bahnverbindungen.

Aus gesellschaftlicher Sicht hält mehr als ein Drittel der Niederländer die Emissionen des Flugverkehrs für ein (sehr) großes Problem.
Zudem halten 26 % die Kosten internationaler Bahntickets und 23 % die Kosten von Flugtickets für zu hoch.

Unter den Niederländern, die im vergangenen Jahr geflogen sind, nennt ein geringerer Anteil die Emissionen des Flugverkehrs als Sorge.

Mobilität im Verhältnis zu anderen gesellschaftlichen Themen

Mobilität ist für Niederländer selten das größte Problem des Landes.
Nur 3 % nennen Verkehr und Mobilität als eines der drei wichtigsten gesellschaftlichen Probleme.

Zum Vergleich:

  • 56 % nennen den Wohnungsmarkt,
  • 34 % Einwanderung und Integration,
  • 28 % Gesundheit und Versorgung,
  • 19 % Normen und Werte.

Das KiM betont jedoch, dass gute Mobilität eine Voraussetzung ist, um gerade in diesen anderen Bereichen wie Arbeit, Versorgung und Wohnen umfassend teilhaben zu können.

Politische Einordnung

Das KiM betont, dass das Erleben von Mobilität objektive Kennzahlen nicht ersetzt, aber eine wichtige Orientierung für die Politik bietet. Zahlen zu Reisezeiten und Emissionen zeigen die Leistungsfähigkeit des Systems, sagen jedoch wenig darüber aus, wie Menschen Mobilität erleben. Indem auch wahrgenommene Erreichbarkeit, Bezahlbarkeit und Sicherheit betrachtet werden, kann Politik besser an die Lebenswirklichkeit der Einwohner anknüpfen.

Die Untersuchung zeigt, dass Niederländer im Allgemeinen mit ihrer Mobilität zufrieden sind, die durchschnittliche Bewertung von 8,1 jedoch ein differenziertes Bild verdeckt. Für die Mehrheit funktioniert das Mobilitätssystem gut, während eine erhebliche Minderheit unter hohen Kosten, eingeschränkter Zugänglichkeit oder Unsicherheitsgefühlen leidet.

Die Kosten des öffentlichen Verkehrs, das persönliche Sicherheitsgefühl und die Zugänglichkeit von Verkehrsangeboten werden im Bericht als dauerhafte Handlungsfelder genannt.

Die KiM-Untersuchung verdeutlicht, dass hohe Zufriedenheit nicht bedeutet, dass Mobilität für alle selbstverständlich ist. Eine zukunftsfähige Mobilitätsstrategie erfordert deshalb anhaltende Aufmerksamkeit für Bezahlbarkeit, Teilhabe und Nutzererleben. Genau diese Themen werden die Mobilität in den Niederlanden in den kommenden Jahren prägen.

Lesen Sie die vollständige KiM-Untersuchung:
Wie beurteilen die Einwohner der Niederlande Mobilität und Erreichbarkeit?

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