Elektroautos möglicherweise Teil der Lösung für Netzengpässe

Die Rolle des Elektroautos in der Energiewende scheint sich weiter zu erweitern. Während Elektrofahrzeuge lange vor allem als zusätzliche Belastung des Stromnetzes gesehen wurden, prüfen Energieversorger, Automobilhersteller und Netzbetreiber inzwischen gezielt, wie Fahrzeuge als vorübergehende Energiespeicher eingesetzt werden können.

Anlass sind Entwicklungen beim sogenannten bidirektionalen Laden, auch als Vehicle-to-Grid (V2G) bekannt. Dabei kann ein Fahrzeug Strom nicht nur beziehen, sondern zeitweise auch an ein Gebäude oder das Stromnetz zurückspeisen.

Unter anderem Vattenfall, Hyundai, Kia und Renault arbeiten derzeit an Anwendungen, bei denen Elektrofahrzeuge Teil des Energiesystems werden. In den Niederlanden laufen bereits mehrere Praxistests.

Elektrofahrzeuge als vorübergehende Energiespeicher

Nach Angaben der beteiligten Akteure bietet bidirektionales Laden die Möglichkeit, Stromangebot und -nachfrage besser aufeinander abzustimmen. Elektrofahrzeuge stehen schließlich einen großen Teil des Tages still, während ihre Batteriekapazität deutlich höher ist als die eines durchschnittlichen Heimspeichers.

Während ein Heimspeicher häufig etwa 10 kWh Kapazität besitzt, verfügen moderne Elektrofahrzeuge meist über Akkupakete mit rund 50 bis 80 kWh.

Mit intelligenter Ladesoftware können Fahrzeuge dann laden, wenn viel erneuerbare Energie verfügbar ist, etwa bei hoher Solarstromerzeugung. In Spitzenlastzeiten kann anschließend ein Teil der gespeicherten Energie vorübergehend zurückgespeist werden.

Besonders die Abendspitze zwischen etwa 16:00 und 21:00 Uhr gilt dabei als wichtiger Schwerpunkt im niederländischen Energiesystem.

Netzengpässe betreffen zunehmend die Gebietsentwicklung

Diese Entwicklung erfolgt zu einer Zeit, in der Netzengpässe an immer mehr Standorten unmittelbare Auswirkungen auf Wohnungsbau, Gewerbe und Gebietsentwicklung haben.

In verschiedenen Regionen verlängern sich die Wartezeiten für neue oder leistungsfähigere Anschlüsse. Für Entwickler, Gemeinden und Immobilieneigentümer wird die Energieversorgung dadurch immer häufiger Teil der räumlichen und finanziellen Machbarkeit von Projekten.

Dadurch entsteht auch eine engere Verbindung zwischen Mobilität, Parken, Ladeinfrastruktur und Energiemanagement.

Insbesondere bei größeren Wohnungsbauvorhaben, Parkhubs und Mobilitätskonzepten richtet sich der Blick zunehmend auf:

  • Intelligentes Laden;
  • Energiemanagement in Parkanlagen;
  • Spitzenbelastung des Netzes;
  • Gemeinschaftliche Ladeeinrichtungen;
  • Verknüpfung von Mobilität und lokaler Energiespeicherung.

Bidirektionales Laden könnte solche Lösungen langfristig ergänzen, auch wenn sich viele Anwendungen noch in der Phase des Ausbaus befinden.

Praxistests sollen die Machbarkeit belegen

Unter anderem startet Vattenfall in den Niederlanden Praxistests, bei denen Haushalte ihre Fahrzeuge über spezielle Ladeeinrichtungen kontrolliert laden und entladen lassen können.

Die Technik selbst gibt es schon länger. Ihre breite Anwendung erwies sich jedoch jahrelang als komplex, weil sie von mehreren Systemen und Akteuren abhängt. Neben der Fahrzeugtechnik spielen Software, Ladeinfrastruktur, Netzbetrieb, Regulierung und Garantieregelungen eine Rolle.

Zudem unterstützen noch nicht alle Fahrzeuge bidirektionales Laden, und geeignete Ladeinfrastruktur ist bislang nur begrenzt verfügbar.

Auch das Verbraucherverhalten bleibt ein wichtiger Faktor. Das System funktioniert nur dann optimal, wenn Fahrzeuge ausreichend lange angeschlossen sind und Nutzer einen Teil der Batteriekapazität für die Energiesteuerung bereitstellen möchten.

Automobilhersteller versuchen dabei, Sorgen über Batterieverschleiß durch Grenzen für Lade- und Entladezyklen zu verringern.

Mobilität und Energie wachsen weiter zusammen

Die Entwicklungen beim bidirektionalen Laden zeigen, dass Mobilitätsfragen immer enger mit Energieinfrastruktur und Netzkapazität verflochten sind.

Während es bei Parken und Mobilität traditionell vor allem um Erreichbarkeit, Kapazität und Verkehrsströme ging, spielen inzwischen auch Energieversorgung, Ladeinfrastruktur und Netzbelastung eine immer größere Rolle bei neuen Gebietsentwicklungen.

Für Projektentwickler, Gemeinden und Mobilitätsberater bedeutet dies, dass Parkraum- und Mobilitätslösungen zunehmend Teil umfassenderer Energie- und Nachhaltigkeitsfragen werden.

Omega berichtete bereits 2023 über die Entwicklungen beim bidirektionalen Laden und deren mögliche Auswirkungen auf Mobilität und Energieversorgung. Inzwischen findet die Technologie bei Netzbetreibern, Automobilherstellern und Energieversorgern immer mehr Beachtung.

Alle Artikel

Besprechen Sie Ihre Frage oder Ihr Projekt

Die acht Kolleginnen und Kollegen von Adviesbureau Omega

Ihre Anfrage

Beschreiben Sie kurz, wobei Sie Beratung benötigen. Omega nimmt Kontakt mit Ihnen auf.

Name, E-Mail-Adresse und Nachricht sind Pflichtfelder.

Dateien hierher ziehen oder zum Auswählen klicken. PDF, Word, Excel, JPG oder PNG, zusammen bis zu 3 MB.

Das Formular wird geladen…